Antiquariat Elvira Tasbach
RARE BOOKS & FINE MANUSCRIPTS
Angebot Nr.: 1
Monumentale Sammlung von Architekturzeichnungen
Baurienne, E.: Über 300 Zeichnungen, datiert 1840 bis 1887, in zwei Folio-Bänden der Zeit, Rücken mit Leinwand, Decken mit Marmorpapier bezogen, je 51 x 41 cm. Handschriftliche Rückentitel (teilweise abgelöst) mit der Aufschrift Band 1: 'Fermes' und Band 2: 'Batiments, Communaux, Eglises, Facades, Grilles, Perrons'. Die Zeichnungen meist in Graphit, Feder, Tusche, farbig laviert, eingeklebt in Falze und gebunden, von diverser Größe, viele jedoch im Format des Bandes oder sogar doppelt so groß, auf festem Papier oder Transparentpapier, letzteres fast immer aufgeklebt
Die beiden vorliegenden Bände bilden möglicherweise den gesamten heute erhaltenen Nachlass des Architekten E. Baurienne. Biographisch ist nur wenig über ihn bekannt - angesichts der Tatsache, dass er mit so vielen konkreten Bauprojekten in Verbindung gebracht werden kann, ein erstaunlicher Befund. Fraglos könnten die beiden schwergewichtigen Bände Grundlage einer Monographie dieses vielseitigen Architekten werden. Baurienne war zwischen 1840 und 1887 in der Gegend südwestlich von Paris tätig, vor allem in Essonne und Yvelines.
Wohl gegen 1815 geboren, war er ein Zeitgenosse von Hippolyte Durand (1801 - 1882), Georges-Eugène Baron Haussmann (1809 - 1891), dem Erneuerer von Paris, von Eugène Viollet-le-Duc (1814 - 1879) und von Charles Garnier (1825 - 1898), dem Erbauers der Pariser Oper. Der vorliegende Nachlass böte ausreichend Material, das reiche Schaffen eines jahrzehntelang mit kleineren und größeren Aufträgen betrauten, vielbeschäftigten Architekten in der Provinz gerade auch vor dem Hintergrund dieser architekturgeschichtlich weit erfolgreicheren und prominenteren Architekten zu analysieren. Obwohl Baurienne in unmittelbarer Nähe der Metropole Paris lebte und wirkte, scheint er dort nicht tätig gewesen zu sein, sondern konzentrierte sich ganz auf eine anspruchsvolle ländliche Klientel: Guts- und Schlossbesitzer, Bürger in Kleinstädten, die Kirche sowie öffentliche Gemeinden. Eine von Bauriennes Domänen war offensichtlich die Renovierung von Kirchen und Kapellen. Er war ein Spezialist für den Umbau alter Kirchen, die man im 19. Jahrhundert als unschicklich empfand oder die dringend einer Instandsetzung bedurften.
Die meisten Blätter sind Reinzeichnungen nach den Regeln der Orthogonalprojektion, um eine klare, architektonisch korrekte und umfassende Vorstellung des geplanten Bauvorhabens zu vermitteln. Der Großteil seiner Zeichnungen ist sowohl durch eine Maßstabsangabe als auch durch zahlreiche hinzugefügte Längenangaben an den einzelnen Linien einer Konstruktion exakt bemaßt. Vermögen schon Bauriennes Reinzeichnungen auch ein ungeübtes Auge von der Qualität der Entwürfe zu überzeugen, so besitzen seine perspektivisch und atmosphärisch angelegten Präsentationsrisse durchaus künstlerische Qualitäten und machen Lust darauf, das Dargestellte auch in die Tat umgesetzt zu sehen. Und nicht zuletzt finden sich auch einige wenige Werkzeichnungen in dem Bestand, etwa die großen gefalteten Pläne einer Konsole (I, 50v/51r) oder eines Balusters (I, 53v -56), die dem Steinmetz das exakte Nachbilden dieser Architekturformen ermöglichten. Eine ausführliche Beschreibung mit Inhaltsangabe kann bei Interesse gerne zugesandt werden.
Artikeldaten:
Bestell Nr.: 1323, Preis: 15.000,– €
Goos, J.: 115 filigran ausgeführte, farbige Original-Entwürfe für ebenso prächtig wie elegant dekorierte Decken und Wände, entstanden zwischen 1864 und 1900. Gouache mit Gold- und Weißhöhungen auf festem Papier, Blattgrößen zwischen 18 x 13 und 53 x 42 cm, größtenteils signiert, lose in einer neuen Kassette liegend. In diesem Umfang, in dieser Qualität und mit dieser überwältigenden Menge an - teils vom Orientalismus inspirierten - Ornamenten und Formen ist die vorliegende Sammlung ein ganz außergewöhnliches Zeugnis historistischer Innengestaltung. Dazu ein Skizzenbuch von J. Goos mit Aquarellen, Bleistiftzeichnungen und lavierten Zeichnungen auf 32 Blättern, darunter 21 im Jahr 1853 entstandene Skizzen und Entwürfe zu Wand- und Deckendekorationen für die 1850 bis 1853 im spätklassizistischen Stil erbaute Villa Stockhausen (das spätere Lingnerschloss) in Dresden.
Das Skizzenbuch enthält neben einigen Natur- und Landschaftsstudien Entwürfe für die Wand-, Boden- und Deckengestaltung der späteren Villa Stockhausen (hier werden noch die Vorbesitzer Hegewald und Findlater genannt). 1850 hatte Ernestine Freifrau von Stockhausen (1811 - 1889) im Auftrag von Prinz Albrecht von Preußen das Anwesen, das seit 1803 im Besitz des schottischen Adligen James Ogilvy, 7. Earl of Findlater gewesen war, von Johann Christian Hegewald gekauft, um dort neben dem im Bau befindlichen Schloss Albrechtsberg ein zweites Gebäude zu errichten. Unter dem Architekten Adolph Lohse entstand ein spätklassizistischer Bau und eine entsprechende Gestaltung der Innenräume. 1855 überließ Prinz Albrecht von Preußen das Grundstück der Freifrau von Stockhausen und ihrem Ehemann, dem Kammerherrn des Prinzen, danach war das Anwesen unter dem Namen Villa Stockhausen bekannt, bis es 1906 vom 'Odolkönig' Lingner erworben und vollständig umgebaut wurde. Die 115 losen Entwürfe sind in den Jahrzehnten nach 1864 entstanden - ob und wo die en détail ausgearbeiteten und prächtigen Wand- und Deckendekorationen ausgeführt wurden müssen weitere Forschungen klären.
Zustand: Die Blätter im Skizzenbuch mit Randläsuren, Gebrauchsspuren und stellenweise etwas fleckig. Die losen Entwürfe bis auf gelegentliche kleine Stockflecken sehr wohlerhalten. Eine ausführliche Beschreibung mit Inhaltsangabe kann bei Interesse gerne zugesandt werden.
Artikeldaten:
Bestell Nr.: 3655, Preis: 17.500,– €
Angebot Nr.: 3
Architekturausbildung
im 19. Jahrhundert
ÉCOLE NATIONALE DES ARTS ET MÉTIERS D'ANGERS. - 70 ebenso präzise und detaillierte wie ästhetische Zeichnungen in teilweise verschiedenfarbiger Tinte auf Papier, viele Zeichnungen farbig laviert. Alle Blätter mit der Signatur des Studenten J(oseph) Barbe, datiert 28.8.1878 bis 20.7.1882 und abgezeichnet von den Professoren der verschiedenen Fächer. Blattgröße: 31 x 45 cm. 1 weißes Blatt, 25 Blätter, 1 weißes Blatt, 34 Blätter, 1 weißes Blatt, 11 Blätter, dunkelgrüner Leinwand-Band der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel und marmorierten Vorsätzen (Gelenke eingerissen, Kanten stellenweise berieben), Querfolio.
Die erste, 1788 gegründete ‚Ecole des Arts et Metiers‘ war während der Republik verstaatlicht und nach Compiègne verlegt worden und wurde dort als rein militärische Einrichtung geführt. Napoleon dekretierte sie 1803 wieder zu einer Schule für Kunst und Gewerbe. Bereits im Jahre 1804 wurde eine zweite derartige Schule in Angers gegründet. Nachdem sie in der nachnapoleonischen Zeit vernachlässigt worden waren und an Bedeutung verloren hatten, etablierte sie ein königlicher Erlaß 1832 in ihrer endgültigen Form: "qui est de former des chefs d'ateliers et des ouvriers instruits" (ebda.). Zu diesem Zwecke wurde die theoretische Ausbildung wesentlich erweitert. Endgültig anerkannt waren diese Schulen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts: "Les écoles d'arts et métiers fournissent d'excellentes dessinateurs, d'habiles contre-maîtres et chefs-d'ateliers; elles ont aussi formé des ingenieurs distingués" (Larousse, a.a.O.). Die Ausbildung umfasste 3 Jahre; im ersten Jahr wurden u.a. Arithmetik, Geometrie und Ornamentzeichnen und Lavieren unterrichtet. Im zweiten Jahr "Géometrie descriptive", Trigonometrie, "Cinematique" und "Croquis et dessins de machines". Im dritten Jahr folgten u.a. "Mécanique industrielle … appliqué aux arts“ und „Dessin de machines au trait et au lavis". - Die Zählung überspringt die Blätter 19, 25, 28 und im dritten Teil Blatt 3.
Das Album dokumentiert die Ausbildung an einer der Schulen in Frankreich, die für den Industrialisierungsprozess die dringend notwendigen, exzellent ausgebildeten Fachkräfte zur Verfügung stellen sollten. "L'histoire de la mise en place des Écoles d'Arts et métiers se confond pratiquement avec l'histoire de l'industrialisation de la France." (Denys Cuche: Traditions populaires ou traditions élitistes? in: Actes de la Recherche en Sciences Sociales Année 1985, S. 57-67)
Der vorliegende Band enthält 8 Blätter zum Thema 'Ornements', 10 Blätter 'Architecture', 3 Blätter mit lavierten geometrischen Körpern, 27 Blätter zur darstellenden Geometrie, 20 Blätter Mechanik und Maschinenbau, sowie 2 Blatt Topographie und umfasst damit den gesamten Unterichtskanon der Ausbildung.
Die Zählung überspringt die Blätter 19, 25, 28 und im dritten Teil Blatt 3. Nur vereinzelt leicht stockfleckig oder kl. Randläsuren.
Artikeldaten:
Bestell Nr.: 724, Preis: 2.200,– €
DEUTSCHE WERKSTÄTTEN MÜNCHEN - Sammlung von Original-Entwürfen, Zeichnungen und Drucken aus den Jahren 1928 ff., eingeklebt in ein selbstgefertigtes Album aus den 1950er oder 1960er Jahren. 28 Blätter (Blattgröße 27,3 x 23,5 cm) mit 50 eingeklebten Entwürfen und Zeichnungen in Graphit, 3 farbigen Entwürfen, 20 Drucken (teils Werbematerialien, teils Ausschnitte) und einer Fotografie. Ein Blatt mit Bleistiftskizzen lose beiliegend. Einfache Klammerheftung, Rückendeckel aus dem vorderen Einband eines Kataloges des Münchner Lampenherstellers Muhr-Leuchten (Rückengelenke defekt, leicht fleckig).
Die Sammlung wirkt wie ein Moodboard in Form eines Albums und ist offensichtlich von einer Designerin oder einem Designer der Deutschen Werkstätten oder deren direktem Umfeld angelegt worden - dafür sprechen die zahlreichen Erwähnungen von EntwerferInnen für die Deutschen Werkstätten ebenso wie die hier aufbewahrten Materialien (Mitteilungen und Einladungen der Deutschen Werkstätten und ein als Skizzenblatt benutztes Briefpapier des Vorstandes der Deutschen Werkstätten). Das Album enthält einen Original-Entwurf für eine 'Einladung zur Weihnachtsausstellung 1928 - 30 Jahre Deutsche Werkstätten AG'. Es folgen 2 gedruckte farbige Werbe-Karten zu 'Dewe Tapeten und Stoffen' mit Entwürfen von Prof. Hillerbrand, d.i. Josef Hillerbrand, der 1922 von Richard Riemerschmid an die Münchner Kunstgewerbeschule berufen worden war; eine Bleistiftskizze zu einem Tapetenmuster mit kleiner Farbprobe, 2 gedruckte farbige Werbe-Karten mit Mustern von Lisl Bertsch, d.i. Elisabeth (Lisl) Bertsch-Kampferseck (1902 - 1978), seit 1920 Designerin bei den Deutschen Werkstätten und Mitglied des Deutschen Werkbundes und von Anny May (auch Anni oder Anneliese), dann gedruckte Entwürfe für Holz-Intarsien, weitere Bleistiftskizzen für Gefäße, eine Bleistift-Skizze mit Flötenspieler und Paar auf einer Ballustrade, montiert auf die Rückseite eines Ausschnittes des Briefpapiers des Vorstandes der Deutschen Werkstätten, eine kleine Ornament-Studie in Bleistift mit der handschriftlichen Bemerkung "Paul ähnliches zu entwerfen versuchen! Die figürlichen Studien nur hintasten?", ein farbig aquarellierter Entwurf für eine Tapete oder einen Stoff mit Elephant und Blumen, kleine Bleistiftskizzen mit floralen und figürlichen Motiven, ein Ausschnitt aus einer Zeitschrift mit einer Anzeige der Wiener Werkstätte, die Entwürfe von D. Peche zeigt, weitere Bleistiftskizzen, eine davon mit dem Hinweis auf Peche, 2 größere Bleistift-Entwürfe für Tapeten oder Stoffe, ein Blatt mit kleinen Vignetten in Bleistift u.v.a.m.
Von leichten Gebrauchsspuren abgesehen wohlerhaltene Sammlung, die mit Sicherheit für den eigenen Arbeitszusammenhang einer Designerin oder eines Designers im Kontext der Deutschen Werkstätten München entstanden ist. Eine ausführlichere Beschreibung kann gerne zugesandt werden.
Artikeldaten:
Bestell Nr.: 3381, Preis: 480,– €
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