Buchcover
RECVEIL DE CHOSES MEMORABLES.: Französische Handschrift des 18. Jahrhunderts in brauner Tinte auf Papier, einspaltig, zu 24 bis 29 Zeilen, (1) weißes Bl., 342 (nur anfangs numerierte) Seiten, (2) weiße Bl., Blattgröße 22 x 17 cm, nicht datiert (das sechseitige Register später hinzugefügt), in einem Lederband der Zeit auf fünf unechten Bünden, mit goldgeprägtem Rückenschild und reicher Rückenvergoldung, Stehkantenvergoldung, dreiseitiger Rotschnitt und marmorierte Vorsätze (Kanten berieben, Gelenke mit Einrissen, die vordere Decke mit kl. Fehlstellen im Bezug).

"Die erste Textseite beginnt mit der Überschrift 'Secunda miscellaneorum Chilias'. Die Sprache des Kommentars ist französisch, die überaus zahlreichen Zitate aber sind in lateinischer, italienischer, griechischer und seltener auch in spanischer Originalsprache wiedergegeben. Die einzelnen Miszellen, Sinnsprüche, Annotationen, Kommentare und Apercus sind von 1 bis 1000 durchnummeriert und ergeben als "Sammlung merk-würdiger Dinge" eine typische Arbeit des 18. Jahrhunderts : ein positiv gesinntes Spiel mit Wissen und Bildung, eine philosophische Lagebeurteilung, die sich bisweilen witzig, bisweilen ernst, immer aber voller esprit, der klassisch-antiken und zeitgenössischen Literatur bedient, um Aufklärung zu betreiben. Entsprechend reicht die Auswahl der Autoren von der griechischen und lateinischen Klassik, über die etablierten Geistesgrößen der Renaissance wie Peucer oder Macrobius, bis hin zu den 'modernen' Reiseschriftstellern wie Pyrard, Pietro de la Valle und Tavernier. Die ersten 30 Miszellen behandeln Holland, es folgen einige Anmerkungen zu Gräbern und Bestattungsriten, dann Ausführungen zur französischen Geschichte und Topographie, zu Inschriften und Neuigkeiten, wie einer ewigen Flamme in der Nähe von Grenoble. Zu den häufiger vorkommenden Themen gehören Kirchengeschichte und Religion (Papsttum, Jesuiten, Jansenismus, Atheismus) und es werden auch irrationale Phänomene wie Talismänner, Horoskope und Prophezeiungen behandelt - alles immer wieder unterbrochen von den unterschiedlichsten Aphorismen. So wird berichtet, daß ein Gesandter im fernen Sudan eine arme Frau, der er auf der Straße begegnete, fragte, warum sie in der einen Hand Feuer und in der anderen Wasser trage, zur Antwort erhielt, sie trage das Feuer um das Paradies zu verbrennen und Wasser, um die Flammen der Hölle zu löschen. Viele der Aphorismen durchzieht eine solche freigeistige Ironie: zitiert wird etwa eine Inschrift eines Hauses in Villeneve "Vivent les lys, vive bourbon, vive Henry quatre de ce nom, vive cekuy qui pour sa reverence a fait poser ici les armoiries de France (1495). Ein aufmerksamer Leser des vorliegenden Manuskriptes hatte bereits im 19. Jahrhundert auf einem kl. Notizzettel, der sich auf dem Vorsatz verso findet, bemerkt : "une vaste compilation d'extraits et d'études de nombreux ouvrages curieux et peu connus ... Outre la valeur de cette documentation, elle nous revèle la tournure d'esprit d'un lettré du 18ième siècle". Die erste Textseite und Seite 25 mit dem Stempel 'Bibliothèque de la Davière'; stellenweise kl. Tintenflecke, eine Seite alt hinterlegt."
Preis: 650 EUR