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ARISTOTELES - KOMMENTAR (aus dem Vorbesitz der Familie Blount): 'Compendium in universam Aristotelis logicam', 'In libros physicorum Aristotelis disputatio' und 'In duos Aristotelis libros de ortu et interitu'. Anonyme Handschrift in lateinischer Sprache, braune Tinte auf Papier, mit einer graphischen Darstellung, Blattgröße 15,2 x 10,5 cm, wohl Rom, 17. Jahrhundert. 2 weiße Blätter, 138 ungezählte Seiten, 4 unbeschriebene Blätter, Seite 139 - 169, 56 unbeschriebene Blätter, Fächereinband der Zeit, Pergament mit überaus reicher Goldprägung, die Mittelstücke der Decken mit Wappen-Supralibros und dem Besitzvermerk 'Carolus. Ma.butius. Rom', dreiseitiger, gepunzter Goldschnitt (Decken etwas aufgebogen, Bindebändchen fehlen, Kapitale mit kleinen Fehlstellen, Einband angestaubt und etwas fleckig), 15,8 x 11 cm.

Der hier vorliegende Aristoteles-Kommentar - möglicherweise als Vorlesungsmitschrift in einem jesuitischen Ausbildungskontext entstanden - behandelt auf den ersten 76 Seiten die Logik, dann folgt bis Seite 138 der Kommentar 'In libros physicorum' und auf den letzten 30 Seiten die Abhandlung 'In duo Aristotelis libros de ortu et interitu'. Der erste Teil zur Logik beginnt mit einer Diskussion über die Natur der Logik, der Frage wozu sie dient und der Feststellung, dass sie eine Wissenschaft ist. Es folgen Betrachtungen über die Natur und Qualität von Unterschieden, Einheit und Vielfalt, Universalität (S. 17), die Möglichkeit eines Intellekts jenseits des menschlichen Erkennens, über Individualität und Individuum (S. 34), Eigenschaften und angenommene Eigenschaften, über Aristoteles Abhandlung 'De praedicamentoribus' (S. 38), innere Eigenschaften, die nur gedacht sind, die Unmöglichkeit des Unmöglichen (S. 44), Wahrheit und Irrtum u.a.m. Im zweiten Teil geht es um die 'Physica' des Aristoteles, beginnend mit dessen Untersuchung der der Natur innewohnenden Prinzipien (S. 77), der Frage, was die ersten Prinzipien sind, und was das Wesen und die Existenz aller Lebewesen ausmacht. Betrachtungen zur materia prima, deren Form, die Leugnung ihrer Existenz (S. 92), Subsistenz, das Wesen der Natur, Wandlung und Entwicklung, Bewegung (S. 117), Raum und Zeit, das Vakuum und die Unendlichkeit schließen sich an. Im dritten Teil geht es schließlich um Werden und Vergehen, Veränderung und aktives und passives Handeln. Das Supralibos und das gestochene Wappen-Exlibris auf dem Innendeckel mit dem Motto 'Lux tua via mea' weisen als Vorbesitzer und möglicherweise auch Verfasser auf die englisch-irische Familie Blount hin. Wobei das Exlibris etwas jünger als der Einband zu sein scheint, denn das Wappen zeigt hier die Verbindung von Edward Blount und Anne Guise, deren Hochzeit 1708 stattfand. Inhaltlich würde die Beschäftigung mit Aristoteles in Rom zu der Biographie von Richard Blount, S.J. (1565-1638) passen, dem ersten Generaloberen der Jesuiten in England, der aber verlies Rom bereits 1591, also wohl vor der Entstehung der vorliegenden Handschrift. Richard Blount gehörte zu dem Leicestershire Zweig der Blounts, besuchte zunächst das Balliol College dann das Trinity College in Oxford, konvertierte zum Katholizismus und schrieb sich 1583 im English College in Douai in den spanischen Niederlanden ein. 1584 setzte er weitere fünf Jahre lang seine Studien am English College in Rom fort. 1589 wurde er zum Priester geweiht. 1591 kehrte er illegal nach England zurück. Zu Richard Blount passt aber neben dem Entstehungszeitraum auch die Inschrift 'Carolus Mabutius Rom' nicht. - Nur gering gebräunt und leicht stockfleckig.
Preis: 1300 EUR