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PRINZ ZU WIED, MAXIMILIAN -: "Das Königlich-Preußische dritte Brandenburgische Husaren-Regiment in dem Feldzuge von 1814. Tagebuch geführt von Maximilian Prinz zu Wied. Sehr schöne und aufwendige, wohl nach 1838 für die königliche Ernst-August Bibliothek in Hannover angefertigte Abschrift des bislang weitgehend unbekannten Original-Manuskriptes von 1814. Feine, sehr gut lesbare Handschrift in schwarzer Tinte auf Papier (Wasserzeichen Pieter van der Ley), mit zahlreichen Karten- und Schlachtillustrationen: 11 farbige teilweise ganzseitige und ausklappbare Formationsdarstellungen und 3 Textillustrationen in kolorierter Federzeichnung, 7 kolorierte, montierte lithographierte Gefechtskarten sowie 7 Tabellen. Aus dem Vermerk auf den Karten "gedruckt bei Frommann, Darmstadt, in Stein graviert" ergibt sich ein erster Hinweis auf die zeitliche Entstehung der Handschrift: die Lithographische Anstalt in Darmstadt wurde von Maximilian Frommann erst im Jahre 1835 gegründet." Kalligraphischer Titel, 325, (1) S., Eleganter Halbleder der Zeit auf 5 unechten Bünden, mit goldgeprägtem Rückentitel, ornamentaler Vergoldung auf den Deckel und dreiseitigem Goldschnitt. Aus der Werkstatt des Königlichen Hofbuchbinders Wilhelm Ermold und mit dessen Etikett auf dem vorderen Innendeckel (Einband leicht berieben), Folio (37 x 26 cm).

"Die vorliegende Handschrift stammt aus der Bibliothek des Hannoverschen Königs Ernst August und ist die uns einzig bekannte Abschrift des Tagebuches von 1814, das sich im Fürstlichen Archiv Neuwied befindet. In der vorliegenden Abschrift nicht enthalten sind eine Reihe von teils farbigen Illustrationen aus dem Originaltagebuch von 1814, statt dessen wurde das Tagebuch um die Karten und Schlachtpläne (s.o.) ergänzt. Nach bisherigen Recherchen im Geheimen Staatsarchiv Berlin, dem Bundesarchiv Militärarchiv, der Bibliothek des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften (ehemals MGFA), der Staatsbibliothek zu Berlin u.a. Bibliotheken sowie in der gängigen Literatur, wie dem Generalstabswerk, ist Maximilian zu Wieds Tagebuch sonst nicht nachweisbar. Selten fand sich daher in Biographien ein Bezug auf dieses Kriegstagebuch (vgl.: Artikel "Wied-Neuwied, Max Prinz von" von Friedrich Ratzel in: ADB, Band 23 (1886), S. 559-564; "Maximilian, Prince of Wied (1782-1867): Reconsidered" von Paul Schach, in: Great Plains Quaterly, 1, 1994. Eine Ausnahme ist der Aufsatz von Hermann Josef Roth: 'Maximilian zu Wied - Ornithologe und Forschungsreisender der Alten und Neuen Welt' in dem er schreibt: "Von hohem Wert sind die Kriegstagebücher des Prinzen, die den militärischen Alltag und das Leben der betroffenen Zivilbevölkerung schildern". (Tagungsband der Gesellschaft für Tropenornithologie, 2013, Band 17, S. 13f.). Erst im Jahr 2016 erschienen Auszüge des nahezu unbekannten Tagebuches in den 'Schriften des Arbeitskreises Landes- und Volkskunde, Band 15, 2016, S. 60-75; herausgegeben von Prof. Dr. Nordwin Beck, Universität Koblenz-Landau. In einer Besprechung dieser ersten, auszugsweisen Veröffentlichung wird auf die Bedeutung und Besonderheit dieses Tagebuches hingewiesen: "Über die militärischen Berichte weit hinausgehend, schildert der Prinz in seiner nüchternen Art und völlig illusionslos das erbärmliche Dasein an der Front. Die Hauptlast des Krieges trägt offensichtlich die Zivilbevölkerung, die in ihrer Not gelegentlich selber zu den Waffen greift. Selbst die persönlichen Begegnungen mit führenden Militärs bis hinauf zu Marschall Blücher wirken ernüchternd. Der passionierte Naturforscher notiert aber auch das Leben der geplagten Zivilbevölkerung und - wie bei diesem Manne gewohnt - naturkundliche Beobachtungen. Sie werden gekrönt durch Besuche bei weltberühmten Gelehrten in Paris wie Cuvier, Saint-Hilaire und Bonpland, dem Reisegefährten Humboldts." (Artikel 'Düstere Prognose für Nordamerikaner', in: WW-Kurier, 31.01.2017) Zum Autor: Der berühmte Forschungsreisende Maximilian zu Wied-Neuwied (1782 bis 1867) gehört neben den Brüdern Humboldt zu den angesehensten Ethnologen und Forschern des 19. Jahrhunderts. Seine Expeditionen führten ihn unter anderem nach Brasilien, Labrador, Nordamerika, Mittelasien und nach Kirgisien. Besonders seine 'Reise nach Brasilien in den Jahren 1815 bis 1817' (1820/21) sowie der mehrbändige und reich illustrierte Bericht seiner Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 (1839-1841) wurden mehrfach übersetzt und zählen bis heute zu den Standardwerken der Amerikanistik, Lateinamerikanistik, Geographie, Zoologie und Ethnologie. Weniger bekannt ist jedoch, dass er während der Napoleonischen Kriege der preußischen Kavallerie, genauer im traditionsreichen Brandenburgischen Husaren-Regiment ebenso engagiert diente, wie der wissenschaftlichen Forschung. Er wurde für seine militärischen Verdienste mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Das vorliegende Tagebuch des jungen Prinzen Maximilian ist auch dadurch von besonderem Wert, als es eine bislang unbekannte, in Passagen durchaus persönliche Art der Betrachtung des später berühmt gewordenen Forschers zeigt. Es handelt sich hier nicht um ein offizielles Kriegstagebuch sondern vielmehr um ein persönliches Tagebuch. Es schildert einerseits detailliert, militärisch-strukturiert und formal-deskriptiv die operativen Vorgänge des Feldzuges im Jahre 1814, dann aber auch wieder in beseelter Prosa persönliche Eindrücke und Erlebnisse. Bemerkenswert ist, dass der schneidige und beliebte Major Zugang zu vertraulichen Unterlagen, Briefen und Dokumenten, Aufstellungsplänen, Stärke- und Verlustlisten hatte, die er in seine Schilderungen geschickt einfließen lässt. So finden sich beispielsweise in Abschriften Briefe und Befehle Blüchers (z.B. in einer Abschrift Neidhardts von Gneisenaus, S. 168), ein Brief Napoleons (S. 230) und von Schwarzenbergs (S. 262). Schon in jungen Jahren pflegte er Kontakt zu den großen Namen der preußischen Militärgeschichte wie Bülow, Clausewitz und York. Im Jahre 1814 diente zu Wied als Major im Brandenburgischen (später 3.) Husaren-Regiment, den ehemaligen Zieten-Husaren. Bereits 1802 war er in das preußische Militär als Freiwilliger eingetreten und erlebte und überlebte die Niederlage bei Jena und Auerstedt. Im Oktober des selben Jahres wurde er bei Prenzlau von französischen Soldaten gefangen genommen. Nach kurzer Gefangenschaft begann er als Zivilist seine Studien der Naturgeschichte, Geographie und Völkerkunde in Neuwied, die er später in Göttingen fortsetzte. Hier begann er seine späteren, berühmten Expeditionsreisen, insbesondere die nach Brasilien, zu planen und vorzubereiten. 1813 holte ihn das Kriegsgeschehen wieder ein. Abermals nahm er seine Dienste, diesmal als Husaren-Major im Brandenburgischen Husaren-Regiment auf und focht in dessen Reihen auch in der Völkerschlacht bei Leipzig. Im Zentrum seiner vorliegenden Schilderungen stehen jedoch die Ereignisse, Schlachten und Feldzüge des folgenden Jahres (insbe-sondere: Montereau (18.2.), Montmirail (11.2.), Bar sur Aube (27.2.), Craonne (7.3.), Laon (9.3.), Fere Champenoise (25.3.) sowie Paris (30.3.). Wie sehr die persönlichen Erlebnisse des Prinzen zu Wied und die patriotische Aufbruchsstimmung des Jahres 1814 den sachlichen, rein militärischen Deskriptionen eine ungewöhnliche Lebendigkeit einhauchen, zeigt sich besonders deutlich im letzten Kapitel, der Beschreibung des Einmarsches in Paris am 31. März 1814. Zu Wied schildert hier in der Manier eines Geographen, Ethnologen und Soldaten die Straßen und Plätze, die Menschen wie auch die Atmosphäre des "Siegestaumels". Dabei vergißt er nicht von Begegnungen mit und dem Verlust von Kameraden zu berichten: "Ich ritt mit Lieutenant von Rochow von den Schwarzen Husaren längs des Canals hin, wo wir eine große Menge von Leuten fanden, die am vergangenen Tage hier ihr Leben der guten Sache geopfert hatten. Auf dem großen Platze neben der Vorstadt St. Martin hatten die preussischen Garden biwackirt. Hier suchten wir unsere Bekannten und gute Freunde auf, von welchen aber gestern mehre geblieben waren. Unter ihnen bedauerte ich vorzüglich einen ehemaligen Regiments-Kameraden, den Grafen Carl von Solms. Andere Freunde durften sich mit uns des großen bevorstehenden Festtages der Belohnung freuen, nach so manchen ausgestandenen Drangsalen." Das Tagebuch gliedert sich in neun chronologische Kapitel und wird zudem ergänzt durch drei interessante Anhänge: I. Von der Ankunft bis nach der Einnahme von Chalons sur Marne. II. Von der Einnahme Chalons bis nach dem Gefechte bei Château Thierry. III. Von dem Gefechte bei Château Thierry bis nach dem Gefechte von Mery sur Seine. IV. Vom Abmarsche von der Seine bis zur Vereinigung der schlesischen Armee mit dem Corps von Bülow und Winzingerode. V. Von der Vereinigung bei Soissons bis nach der Schlacht von Laon. VI. Von der Schlacht bei Laon bis zum Uebergange über die Aisne. VII. Vom Übergang über die Aisme bis zur Vereinigung mit der großen Armee bei Sezanne. VIII. Von der Vereinigung der Armee bis zur Einnahme von Paris. IX."
Preis: 12500 EUR