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TABERGER, JOHANN GEORG -: 'Journal meiner Reise über Wien und durch Ungarn etc. nach Constantinopel, Smyrna, Syra und Malta, und zurück über Sicilien, Italien, Frankreich, durch die Schweitz und die Rheinländer, in den Monaten May, Juny, July, August, September und October, 1838'. Umfangreiche Handschrift in brauner Tinte auf Papier, datiert Hannover, 1838. Gleichmäßige, gut lesbare Schrift. Titelblatt, VI, 584 S., 1 Bl., mit beigebundenen Stichen bzw. Lithographien und einer lose beiliegenden gefalteten Ansicht von Konstantinopel. Halbleder-Band der Zeit mit handschriftlichem Titelschild (Einband berieben, vorderes Gelenk mit kl. Fehlstelle), 17,5 x 11 cm.

"Taberger beginnt mit seinem Reisejournal "am 22. May, 1838, dem Tage vor meiner Reise nach dem Orient" und beendet es "den 7. October 1838, am Tage nach meiner Ankunft in Hannover", nicht ohne in einem Nachsatz festzustellen, dass er in der glücklichen Lage sei,"die zu weiten Reisen erforderlichen Requisiten: Gesundheit, Zeit, Geld, u. Reiselust zu besitzen" und daher seit 17 Jahren in jedem Sommer quer durch Europa reisen konnte. Und so gesteht er: "Große Lust gewährt das Reisen". Ein Ziel jedoch hatte er bis dahin nie bereisen können: den Orient. 1831, beim ersten Anlauf, hatte die Pest den Balkan heimgesucht, 1838 war es nun endlich möglich, "jene merkwürdige Metropolis von Europa und Asien zu sehen." Johann Georg Taberger (1782 - 1854) stammte aus einer Familie von Zinngießern: Sein Großvater Lorenz Taberger (1707 - 1777) war aus Wien nach Hannover ausgewandert und stellte wie sein Vater Friedrich Taberger (1739 - 1810) Leuchter, Schüsseln und Teller her, dazu kamen später die beliebten Zinnfiguren. 1810 übernahm Johann Georg Taberger den Betrieb. Zuvor hatte er den Bürgereid geleistet und den Meistertitel erworben. Er führte die Zinngießerei 20 Jahre lang und war zwischen 1826 und 1830 Vorsteher des Amtes der Zinngießer. Mit 48 Jahren fasste er den Entschluss, zukünftig als Rentier zu leben. Seine Werkstatt übernahm der Zinngießermeister Ernst Carl Demong, dessen Witwe den Betrieb bis 1844 fortführte. Sein vorliegendes Reisejournal führte er minutiös: "so werde ich auch dieses Mal täglich Notizen von alle dem, was ich merkwürdiges sehe und interessantes erlebe" machen, um im Alter "durch deren Lectüre mir eine angenehme Unterhaltung" zu verschaffen. Seine Angewohnheit Sehenswürdigkeiten und die Namen der zahlreichen Personen, die er trifft, zu unterstreichen, erleichtert die Orientierung im Text. Als erfahrener Reisender hat er sich präzise auf die Anforderungen der Reise vorbereitet, er hat mehrere Reisebeschreibungen studiert und sich die notwendigen Reisedokumente, Kreditbriefe und Empfehlungsschreiben beschafft. Und er hat seine Ankunft in "Wien so bestimmt, daß ich dort 9 bis 10 Tage vor dem Abgange eines jener Dampfschiffe eintreffe, um daselbst vorher Alles zu der Reise nach dem Orient zu besorgen". Der Aufenthalt im Orient selbst nimmt in seinen Aufzeichnungen etwas mehr als ein Drittel ein. Er beschreibt mit genauer Beobachtungsgabe, wachem Interesse und Humor die Stadt und ihre Umgebung, unter anderem Galata, den Campo di Morte, die Prinzen-Inseln und Scutari. Er trifft dabei Gesandte, Kaufleute und Abenteurer, besucht das Serail, Moscheen, Hamams und Bazare und er geht zum Barbier. Dabei gelingt es ihm das Lebensgefühl in dieser für ihn einzigartigen Metropole zu beschreiben: "Die ganze Stadt Constantinopel war diesen Morgen in einem dichten Nebel gehüllt, der sich bei, Aufgang der Sonne vertheilte, welches einen herrlichen Anblick auf den hohen Campetto gewährte. Ehe ich des Morgens früh ausging trank ich jedes Mal aus der Zisterne in unserem Hofe ein Glas frisches Mineralwasser, welches mich sehr erquickte, und wenn ich um 6 Uhr zu Haus kam, trank ich Kaffee, rauchte eine Pfeiffe des wohlriechenden türkischen Tabacks und schrieb dabei in diesem Journal meine Notizen des gestrigen Tags. Gewöhnlich erhielt ich dann Besuche von Bekannten, denen ich etwas daraus mittheilte, und die meine Aufmerksamkeit und richtigen Bemerkungen lobten. Diesen Morgen brachte mein treuer Dragoman Gregorio mir die höchst erfreuliche Nachricht, daß der Großsultan den französischen und belgischen Gesandten einen Ferman ertheilt habe, der Sofia-Moschee nebst einigen anderen Moscheen heute mit ihren Familien und Freunden zu besehen, und daß es den Freunden gestattet sei, sich an dieselben anzuschließen, und freien Eintritt in jene Moscheen zu haben. ... Bei der Ankunft unseres Zuges auf dem Vorhof der Cathedral-Moschee der Heil. Sofia standen türkische Hof-Officianten und Priester bereit, die Gesandten mit ihren zahlreichen Gefolge zu empfangen, und in den heiligen Tempel herein zu führen. Aber alle ohne Unterschied selbst die Damen, mußten beim Eingang ihr Schuhwerk entweder ausziehen, oder einen Pantoffel darüber anlegen, welches besonders den Damen einige Mühe machte." Im Kreise dieser illustren Gesellschaft besucht Taberger an diesem Tag noch die Sultan Ahmed Moschee, die Nuri Osmanie Moschee, die Bajazid Moschee sowie zum krönenden Abschluß die Süleymanije Moschee. Am Ende seiner Reise, die ihn weiter über Smyrna, Malta, Sizilien, Italien und Frankreich führte stellt er fest: "die unermeßliche Hauptstadt des Ottomanischen Reiches, deren Lage als die schönste der Welt allgemein anerkannt ist, habe ich von allen Seiten betrachtet, die großen Palläste des Beherrschers von Asien, deren immensen Pracht alle Schlösser, die ich bisher in Europa sah, weit übertrifft, das glänzende Innere der Haupt-Moscheen in Constantinopel haben meine höchste Bewunderung erregt". Er habe vieles gesehen, was Fremde nur selten zu sehen bekommen, er sei immer freundlich aufgenommen worden und daher müsse er "gestehen, daß diese Reise nach dem Orient wegen ihrer außerordentlichen Merkwürdigkeit, und wegen der erfolgreichen glücklichen Ausführungen derselben allen meinen bisherigen Reisen die Krone aufsetzt, und unbedingt halte ich sie für die interessanteste und genußreicheste meines Lebens". Auf der beiliegenden Ansicht Konstantinopels hat Taberger das Dach des Hauses rot eingefärbt, in dem er während seines Aufenthaltes lebte. Die beigehefteten Stiche zeigen Sehenswürdigkeiten in Frankreich und in der Schweiz. Zustand: sehr vereinzelt leicht fleckig, insgesamt sehr wohlerhalten."
Preis: 3900 EUR