Buchcover
NIGER - 'JOURNAL DE BORD'.: Anonymes Manuskript in französischer Sprache, mit schwarzer Tinte geschrieben in eine Agenda des Jahres 1906. Begonnen am 1. Januar 1907, findet sich die letzte Eintragung am 15. Mai 1907. Ca. 60 Seiten mit längerem, teils detailreichem Text, dazwischen auch kürzere, eher lapidare Eintragungen, schwarzer Leinwand-Band mit goldgeprägtem Titel (Gelenke mit Einrissen).

"Persönliches Tagebuch eines französischen Wasserbau- oder Vermessungsingenieurs, der offensichtlich Teile des Niger kartographieren oder beschreiben sollte. Unter dem Datum des 19. März findet sich eine kleine Skizze des Nigerverlaufs. Am ersten Tag des Jahres 1907 beginnen die Eintragungen in St. Louis im Senegal mit den Daten der Kurierpost von Koulikoro nach Frankreich. Die Reise führt dann zu Fuß von Podor nach Boghe, weiter zunächst mit dem Lastkahn, dann mit dem Schiff nach Kayes (eingelegt ist hier in das Tagebuch eine Rechnung des 'Grand Hotel de Kayes. Haut-Sénégal - Niger'), von dort mit der Bahn nach Sego-Sekoro und von dort aus weiter mit Booten über Timbuktu bis nach Burem. Der Text beschreibt die Stationen der Reise, die Landschaften und Dörfer, berichtet wo, mit wem und wie gegessen wurde, schildert die Jagd als Zerstreuung und als Notwendigkeit zur Verpflegung und kommentiert auffällige Ereignisse. In Koulikoro fällt dem Reisenden der aufwendig gebaute Palast des Gouverneurs auf : "qui dans ce pays manifestement d'une pauvreté extrème est un défi" (18. Januar). Am 20. entdeckt er auf der Jagd den Leichnam eines enthaupteten Schwarzen, dessen eines Bein "est complétement mangée par les chiens". Er verbringt seine Wartezeit mit Dynamitfischen und wird Zeuge eines Unfalls durch unsachgemäßen Umgang mit einer Sprengladung, der zu zahlreichen Verletzten führt (2. Februar). Am 3. Februar besucht er eine "station agronomique": "Malheureusement le cotton pousse mal, le tabac n'est pas brillant". Am 8. Februar kann er seine Reise nach Kamani fortsetzen: "Ce village de Kamani est lamentable (et) bâti sur la berge élevée", während die Situation in Sekora wesentlich besser ist :"Toute la berge très inclinée est couverte de jardins potagers très bien arrosés et très vert." Weiter geht die Reise über Segu Sikoro und am 15. Februar über Sansandig nach Mopti. In dem kleinen Ort Nioro ("encore plus lamentable que les autres") findet er "le cadavre d'un nègre ... Les nègres que j'ai avec moi regardent cela très curieusement mais ils doivent être habitués car cela n'a pas l'air de les toucher le moins du monde". Die Reise wird fortgesetzt; er notiert sich die Beschaffenheit der Uferregion, hält die Besonderheiten der Ortschaften fest ("Malgré le peu d'importance de la localité qui peu bien avoir 200 habitants il y a 2 mosquées en terre qui sont assez pittoresque"). Am 22. erreicht die Reisegruppe Mopti und das Tagebuch verrät die Freude des Franzosen über eine gewisse Handelstätigkeit an diesem Ort und ein entsprechendes Warenangebot. Er verbringt einen Tag in der Gesellschaft anderer Kolonialbeamter und erfährt unter anderem Erstaunliches über den Handel mit Silberreiherfedern: ein Silberreiher ergibt 1,5 bis 4 Gramm Federn; um 250 kg dieser Federn zu exportieren mußten im Jahr 1906 etwa 200.000 Tiere getötet werden. Nach einer beschwerlichen Reise wird am 3. März die Ankunft in Niafouke verzeichnet, mit einem Besuch beim "agent spécial", der erklärt, daß es abgesehen von einigen Überfällen der Tuaregs ruhig im Lande ist. Am 7. März schließlich erreicht er sein Ziel: Koiretago ("je suis enchanté d'avoir maintenant quelque chose à faire et un travail, qui va m'occuper toute la journée"). Voller Unternehmungsgeist hatte er sich an seine Arbeit gemacht ("Je commence par la reconnaissance du village") mußte jedoch feststellen, daß er sich auf kaum durchdringlichen Wasserwegen fortbewegen muß. "Je mets 7 hommes dans la petite pirogue qui m'accompagne pour pouvoir y pénétrer. Et encore je n'arrive pas toujours". Die folgenden Eintragungen halten lakonisch die geringen Fortschritte fest ("nous avancons un peu"). Am 31. März endlich die Eintragung "Je termine ma carte" ! Für die darauffolgenden Wochen finden sich fast nur kurze Ortsangaben. Inzwischen ist der Wasserspiegel des Niger gesunken; am 8. Mai kommt unser Reisender in Bourem an; am 12. heißt es "commencé l'hydrographie" und damit endet das Tagebuch. Möglicherweise beginnt nun die regelmäßige Arbeit, die in den vorausgegangenen Wochen unmöglich war ? Auf den ersten Blick vielleicht ein wenig unspektakulär, ist das Tagebuch durch seine direkte und ungefilterte Art der Schilderung doch ein spannendes und aufschlußreiches Zeitdokument für die koloniale Durchdringung Zentralafrikas. Die Quelle des Niger hatten erst 1879 Moustier und Zweifel entdeckt und bis zur Jahrhundertwende waren einige Reiseberichte und Karten im Druck erschienen. Der vorliegende Reisebericht gibt einen Einblick in eine ganz individuelle, authentische koloniale Realität, wie wir sie aus gedruckten Quellen selten kennenlernen. - Sehr gut erhalten."
Preis: 950 EUR